Stürmer - Torjäger mit Tempo, Robustheit und Ballkontrolle




Würde ein Laie im Fussball gefragt werden, was die Aufgabe eines Stürmers ist, würde die Antwort recht simpel ausfallen –  „Tore schiessen!“. In dieser Aussage steckt natürlich sehr viel Wahrheit. Als Angreifer wirst du immer erstmal an deinen erzielten Toren gemessen.

Jedoch haben Stürmer mittlerweile deutlich mehr Verantwortung als dafür zu sorgen, dass der Ball am Ende eines Angriffs im Netz landet. Als Stürmer sind in den letzten Jahren auch andere Möglichkeiten in den Vordergrund gerückt, um dem eigenen Team weiterzuhelfen. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass das Erzielen von Toren als Stürmer nicht mehr so wichtig ist. Das Toreschiessen ist nach wie vor eine wesentliche Aufgabe eines Angreifers.

Stürmertypen

Die Art und Weise, wie ein Angreifer sein Team neben dem Erzielen von Toren unterstützen kann, hängt sehr stark von seinen Fähigkeiten und physischen Voraussetzungen ab. Ein kleiner, wendiger Stürmer wird andere Aktionen als ein grosser, kräftiger Angreifer durchführen, um sein Team weiterzubringen. Der erste Stürmer wird sich auch in ganz anderen Räumen bewegen, um seine Qualitäten bestmöglich zu Geltung zu bringen.

Damit du weisst, wie du deine Fähigkeiten bestmöglich auf den Platz bekommst, macht es Sinn, die Stürmer in verschiedene Typen zu unterteilen. Diese Unterscheidung zeigt dir, mit welchen Aktionen und in welchen Räumen du dein Team zum Sieg führst.

1. Der Konterstürmer

Wenn du ein schneller, antrittsstarker Angreifer bist, wirst du vor allem von hochstehenden, gegnerischen Ketten und Umschaltmomenten profitieren. Dein Tempo kannst du bestmöglich zur Geltung bringen, wenn du im Rücken der Abwehr angespielt wirst. Deshalb solltest du dich viel auf der letzten Linie des Gegners bewegen und auf Pässe in die Tiefe lauern. Dein Tempo wir dir helfen, um nach Schnittstellenpässen oder Flugbällen hinter die Kette vor den gegnerischen Verteidigern am Ball zu sein. Zusätzlich kannst du dir bei einem Ball in die Tiefe noch bessere Ausgangsbedingungen kreieren, wenn du beim Abspiel bereits in der Bewegung bist. Dadurch hast du zum Zeitpunkt des Abspiels einen Tempovorsprung gegenüber den Verteidigern. Dies wird dir helfen, den Ball auch vor Abwehrspielern zu erreichen, die vermutlich ebenfalls schnell sind und ein gutes Stellungsspiel haben. Optimalerweise bereitest du diesen Tempovorsprung mit einem Laufwege parallel zu gegnerischen Kette vor. Sobald das Abspiel dann erfolgt, startest du mit einem explosiven Antritt, im Rücken des Innenverteidigers, in die Tiefe. Sergio Agüero, Jamie Vardy oder Kylian Mbappé sind typische Beispiele von Konterstürmern.

360Footballs taktische Erklärung für einen Konterstürmer

Dieses Video hilft dir als Stürmer extrem schnell zu werden:

Der Mittelstürmer

Wenn du grossgewachsen und körperlich sehr robust bist, wirst du nur schwer vom Ball zu trennen sein. Stellt du als Mittelstürmer dann deinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler hat der Verteidiger kaum noch eine Chance an den Ball zu kommen. Deine physischen Voraussetzungen werden dir auch bei Flanken helfen. Durch ein wuchtiges Einlaufen in den Strafraum und ein kraftvolles Abspringen, bist du bei Hereingaben kaum zu bremsen. Deine körperliche Überlegenheit kannst du aber nicht nur bei Flanken, sondern auch als Wandspieler benutzen. Sobald sich ein Anspiel auf dich andeutet, baust du Körperkontakt zu deinem Gegenspieler auf. Dadurch verhinderst du, dass der Gegenspieler hinter dir das Zuspiel abfängt. Wirst du in der Folge dann angespielt, verarbeitest du den Ball in einer seitlichen Stellung und mit dem gegnerfernen Fuss. Dies hilft dir den Ball zu behaupten, da der Abstand zwischen Ball und Gegenspieler grösstmöglich gehalten wird. Zusätzlich hilft dir die seitliche Stellung deinen Gegenspieler im Auge zu behalten und folglich schnellstmöglich auf seine Aktionen reagieren zu können. In dieser Position kannst du den Ball in der Tiefe behaupten, Gegenspieler binden und den Ball dann auf einen nachrückenden Mitspieler ablegen. Typische Profi-Mittelstürmer dieser Kategorie sind Harry Kane, Luis Suarez oder Romelu Lukaku.

360Footballs taktische Erklärung für Mittelstürmer

Diese Video hilft dir, um den Ball robust zu behaupten:

Die „falsche“ Neun

Wenn du als Stürmer einen guten 1. Kontakt hast, den Ball immer unter Kontrolle hast und sehr trickreich bist, wirst du auch in engen Räumen schwer vom Ball zu trennen sein. Dies hilft dir als „falsche“ Neun eine Verbindung zwischen Angriff und Mittelfeld herzustellen. Dafür verlässt du immer wieder die letzte Linie des Gegners und bietest dich stattdessen in den Zwischenräumen an. Du agierst zwischen der gegnerischen Mittelfeld- und Abwehrreihe und bewegst dich in die Passfenster zwischen 2 Mittelfeldspielern des Gegners. Dadurch stellst du die gegnerischen Verteidiger vor grosse Probleme. Dein Gegenspieler ist immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob er in der Kette bleibt oder dir folgt. Hält er seine Position, kannst du nach einem Anspiel aufdrehen. Entscheidet sich dein Gegenspieler aber mitzugehen, entsteht ein Lücken in der Abwehrreihe. Wirst du in diesem engen Raum zwischen den Ketten angespielt, kannst du deine herausragende Ballführung nutzen, um Gegenspieler zu binden und dann deine Mitspieler einzusetzen. Hier sind beispielsweise Erling Haaland, Karim Benzema oder Robert Lewandowski exzellente Beispiele dafür.

Taktische erklärung von 360Football für einen falsche Neun Stürmer

Diese Video hilft dir durch enge Räume zu dribbeln und nie die Kontrolle über den Ball zu verlieren:

 

Zum Torjäger werden

Nach der Vorstellung dieser Stürmertypen sollte dir klar sein, wie du deine Fähigkeiten am Besten in das Spiel eures Teams einbinden kannst. Möglicherweise bringst du sogar die Voraussetzungen für mehrere der vorgestellten Positionen mit – bist du beispielsweise schnell und zeitgleich sehr dribbelstark, kannst du deinem Team als Konterstürmer oder als „falsche“ Neun weiterhelfen. Dadurch wird dein Angriffsspiel flexibler und du bist schwerer auszurechnen.

Doch ganz unabhängig von deinen Fähigkeiten wirst du, wie eingangs erwähnt, als Stürmer immer sehr stark an deinen Treffern gemessen. Aber auch der Weg zum Torerfolg kann sehr unterschiedlich aussehen – der Mittelstürmer wird beispielsweise sehr stark beim Verwerten von Flanken sein und die „falsche“ Neun wird auch im Dribbling unter hohem Gegnerdruck treffsicher sein.

Doch eine bestimmte Abschlusssituation sollten sich alle Stürmer, unabhängig von ihrer Spielweise und ihren Fähigkeiten, genauer anschauen – den Torschuss mit dem ersten oder zweiten Kontakt aus kurzer Distanz. Auf diese Weise fallen auf Topniveau die mit Abstand meisten Treffer. Ein guter Fernschuss ist natürlich ebenfalls eine Waffe aber als Stürmer wirst du den Grossteil deiner Treffer direkt und innerhalb des Strafraums erzielen.

Du könntest als Angreifer natürlich den Gedanken haben, dass du diesen Abschlüssen keine Aufmerksamkeit schenken musst, da du diese Chancen eigentlich immer verwertest. Jedoch lohnt es sich als Stürmer auch die Schüsse aus kurzer Distanz zu trainieren - speziell die direkten Abschlüsse innerhalb des Strafraums. Dies kann am Ende der Saison darüber entscheiden, ob du 20 oder doch nur 10 Treffer erzielt hast und ob ihr Erster oder doch nur Fünfter werdet.

Bei Training der Torschüsse aus kurzer Distanz solltest du folgendes beachten:

  • Um aus wenigen Metern das Tor zu treffen brauchst du keine enorme Stosskraft. Es genügt den Ball platziert und flach in die Ecke zu schieben. Aufgrund der Nähe zum Tor wird der Torhüter nie an den Ball kommen, wenn du einigermassen genau abschliesst. Besonders präzise kannst du mit der Innenseite abschliessen, weshalb du dich bei direkten Torschüssen aus wenigen Metern für einen Innenseitenstoss entscheiden solltest.

  • Im Training, in einer Übung ohne Gegnerdruck, ist das Treffern des Tores aus 8-12 Metern kein Problem. Du hast Zeit dir den Ball zurecht zu legen und den Torhüter auszuschauen. Im Spiel sieht die Situation deutlich anders aus. Wenn du aus kurzer Distanz abschliessen kannst, darfst du nicht zögern und den Ball nochmal zurecht legen. Ansonsten ist die Chance in aller Regel vertan. Das bedeutet, dass du auch abschliessen musst, wenn der Ball auf deinem „schwachen“ Fuss liegt. Aus diesem Grund solltest du den Torabschluss mit beiden Füssen trainieren. Zwar erwartet kein Trainer dieser Welt fulminante Fernschusstore mit deinem schwachen Fuss. Aber den Ball aus wenigen Metern mit Links über die Linie zu bringen, sollte dir unbedingt gelingen.

  • Im Spiel wird der Ball eher selten still vor dir liegen und auf deinen Torschuss warten – ausser du stehst am Elfmeterpunkt. In allen anderen Situationen wird der Ball in Bewegung, womöglich sogar sehr scharf unterwegs sein. Das macht das präzise Treffen des Balles deutlich schwerer. Trainiere die direkten Abschlüsse aus wenige Metern deshalb unter sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen – nach einem flachen Rückpass von der Grundlinie, nach scharfen Hereingaben, nachdem der Ball halbhoch angeworfen wurde, etc.

Mit Hilfe diese Video wirst du als Stürmer treffsicher – egal ob du aus kurzer Distanz oder ausserhalb des Strafraums abschliesst:

Plan B

Es gibt Phasen im Leben eines Spielers, da will der Ball einfach nicht über die Linie. Dies ist als Mittelfeldspieler und Abwehrspieler zwar ärgerlich aber nicht ganz so tragisch wie als Stürmer. Denn wenn wir vor allem eines aus diesem Blogbeitrag mitnehmen, dann das, dass der Angreifer an seinen Toren gemessen wird.

Das kann natürlich sehr frustrierend oder auch verunsichernd sein, da du vielleicht zeitweise nur den Chancentod in dir siehst.

Jedoch zwingt dich keiner dazu, deine Leistung als Stürmer ausschliesslich an deinen Toren festzumachen. Deshalb kann es dir als Stürmer helfen die Aufmerksamkeit erstmal auf andere Facetten des Spiels zu lenken, wenn du länger nicht getroffen hast. Fokussiere dich voll und ganz auf die Fähigkeiten, die du besonders gut kannst und nichts mit dem Erzielen von Toren zu tun haben – zum Beispiel das Erobern von Bällen, das Lösen von 1 gegen 1 Situationen oder das Festmachen von Pässen in die Tiefe. Ziehe Motivation aus den kleineren Erfolgen des Spiels.

Dadurch wirst du als Stürmer dein Selbstvertrauen zurückgewinnen und früher oder später auch wieder das Tor treffen – ohne dir dabei gross den Kopf zerbrochen zu haben.

In diesem Video bekommst du weitere, hilfreiche Tipps um Selbstvertrauen für das nächste Spiel zu tanken:

 

Zum Autor:

Luis Österlein (Twitter: LOsterlein) ist Spielanalyst bei der U23 des FC Bayern München und freier Autor. In enger Zusammenarbeit mit 360Football schreibt er spezifische Blogposts, die Spieler:innen bei ihrer fussballerischen Entwicklung unterstützen.

 




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